Von Kirchen und Moscheen – religiöse Andachtsstätten in OSM

In einem kleinen Forschungsprojekt schaue ich mir gerade die Verbreitung des tags ‚places of worship‘ (religiöse Andachtsstätten) in OpenStreetMap näher an.

Die erste Karte zeigt die Verbreitung der verschiedenen Weltanschauungen in Deutschland, wie sie von OpenStreetMap-Aktiven gemappt wurden:

Places of worship in Germany (OSM data)

Religiöse Andachtsstätten in Deutschland (OSM-Datenbasis) Places of Worship in Germany (on basis of OSM data)

Ziemlich christlich könnte man denken – dabei muss man jedoch bedenken, dass

  • hier nur Daten auftauchen, die von mir einer Weltanschauung eindeutig zugeordnet werden konnten
  • die Daten natürlich nicht die Verteilung der Gläubigen darstellen, sondern nur der Bauten der Gläubigen
  • und zuletzt natürlich nur die Bauten wiedergeben, die von OSM-Aktiven tatsächlich gemappt wurden.

Gerade letzter Punkt ist eklatant: bei einem Vergleich der amtlichen Daten mit OpenStreetMap-Daten fällt auf, dass die OSMler noch lange nicht am Ende sind: amtlicherseits sind 60.244 Kirchen und Kapellen in Bayern verzeichnet (und hier sind nur die christlichen Andachtsstätten überhaupt erfasst); in OSM finden sich dagegen gerade mal 9.358 Andachtsstätten für alle Weltanschauungen in Bayern.

Nicht-christliche Religionsgemeinschaften gehen auf dieser Karte völlig unter, daher habe ich auf der nächsten Karte die Andachtsstätten der beiden größten Konfessionen in Deutschland (römisch-katholischen und evanglisch-lutherischen Glaubens) mal ausgeblendet:

Non-dominant religious places of worship  in Germany

Andachtsstätten, von religiösen Weltanschauungen, die nicht römisch-katholischen oder evanglisch-lutherischen Glaubens sind

Erstaunlich dürfte die große Anzahl an anderen religiösen Weltanschauungen sein, die die Karte dominieren – diese reichen von den Zeugen Jehovas über die neuapostolische Kirche bis hin zur „Ersten Vereinigten Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters in Deutschland“. Diese anderen Weltanschauungen sind in OSM ziemlich häufig vertreten. Unrepräsentiert in OpenStreetMap dürften aber –  trotz relativ großer Anzahl muslimischer Einträge auf dieser Karte – insbesondere die Moscheen sein: hier gibt es nur 297 Einträge von insgesamt 30207 weltanschaulich identifizierten Einträgen zum tag „places of worship“ in OSM; das sind nicht mal 1% aller Einträge, diesen stehen knapp 5% gläubige Muslime in Deutschland gegenüber (ja, ja, ich weiß schon: das erste sind Bauten, das zweite Menschen; es gibt aber dennoch vielleicht eine Hinweis auf ein mögliches Potenzial).

Zum Schluss noch ein Vergleich römisch-katholischer und evanglisch-lutherischer Andachtsstätten in Deutschland:

Protestant and Catholic places of worship in Germany

Römisch-katholische und evangelisch-lutherische Andachtsstätten in Deutschland

Nachdem Katholiken nicht unter dem Verdacht stehen, aktivere Mapper zu sein als Protestanten, zeichnet diese Karte ein nettes Bild der Verteilung der beiden Kofessionen in Deutschland – oder wenigstens ihrer architektionischen Gebietshoheit…

Wer es wissenschaftlicher mag, hier ein Aufsatz der kürzlich zum Thema erschienen ist:

Elrick, Tim (2014) Sozialwissenschaftliche tag-Analyse mit OpenStreetMap-Daten am Beispiel religiöser Andachtsstätten in Deutschland. Kartographische Nachrichten 64:152–156.

Advertisements
Veröffentlicht unter Deutsche Beiträge | 10 Kommentare

Warum Karten immer politisch sind – Kritische Kartographie bei „The West Wing“

Die US-Drama Serie „The West Wing“ setzt sich mit dem Regierungsalltag im Weißen Haus auseinander. In diesem „Zentrum der Macht“ (so der Titel in der deutschen Übersetzung) bleiben gelegentliche Auseinandersetzungen mit Karten natürlich nicht aus.

Hier zwei Ausschnitte der Serie, die uns verdeutlichen, warum jede Karte immer politisch und streitbar ist und daher niemals als ein  „Abbild der Erdoberfläche“ verstanden werden sollte (eine Definition, die man nicht nur auf Wikipedia, sondern auch in geographischen Fachlexika bis heute noch finden kann).

Holy Land Map

Eine satirische Auseinandersetzung mit der politischen Brisanz von Karten in Israel/Palästina: es gibt keine neutralen, unschuldigen oder objektiven Karten in einem  Umfeld, wo zwei sich ausschließende Nationalismen jeweils ständig darum bemüht sind, ihre ewige Verbundenheit zum Heimatland nachzuweisen. Jede Karte wird daher immer bei mindestens einer Seite auf Ablehnung stoßen. Das muss hier auch der US-Präsident lernen. Gewissermaßen ist dieses Video eine schöne  Einführung zu meinem Dissertationsthema (Web 2.0-Kartographie im Nahostkonflikt), weswegen ich es auch zu Beginn meines Vortrags in Toronto im Juli abgespielt habe.

Why are we changing maps?

Hier können wir sehen, dass auch die gewohntesten kartographischen Konventionen, wie die Projektion der Karte oder der Umstand das Norden oben und Europa in der Mitte ist, ideologische Implikationen haben und nicht bloß auf technische Ursachen reduziert werden können. Flächentreue Darstellungen wie die umstrittene Peters-Projektion können ein sehr ungewohnte Bilder der Erde vermitteln, besonders wenn sie auch noch gesüdet sind, also Norden unten ist.

Dieses Hinterfragen von Karten aus einer sozialwissenschaftlichen Perspektive hat sich die „Kritische Kartographie“ zur Aufgabe gemacht, die in den 1980er Jahren in der US-Amerikanischen Geographie entstanden ist, und seit einigen Jahren vermehrt auch von der deutschen Geographie Anklang findet. Einführend dazu:

Glasze, G. (2009): Kritische Kartographie. In: Geographische Zeitschrift 97 (4), S. 181–191

 

Veröffentlicht unter Deutsche Beiträge | Verschlagwortet mit , , , , , , , | Kommentar hinterlassen

Vortrag: Old Game new Rules? Web 2.0 Mapping in Israel/Palestine

Ich habe letzte Woche (23.-24.07.) am hochinteressanten Workshop „Mapping Transnational Space“ an der York University in Toronto, Kanada, teilgenommen.

Der Workshop thematisierte Kartierungen transnationaler Räume aus einer kritischen Perspektive. Regionale Schwerpunkte lagen auf den Grenzen Nordamerikas, der Europäischen Union sowie von Palästina/Israel. In der letztgenanten Session haben Jess Bier und ich jeweils einen Vortrag gehalten. Jess hat ein Kapitel aus ihrer Dissertation vorgestellt, in welchem sie die Einführung einer „professionellen“ nationalen palästinensischen Kartographie in der Phase nach den Oslo-Verträgen untersucht hat.

In meinem Beitrag habe ich eine zentrale Argumentationslinie für mein Dissertationsprojekt „Web 2.0-Kartographie im Nahostkonflikt“ vorgestellt. Hier die Folien und das Skript des Vortrags:

I‘m working on a PhD project titled „web 2.0 cartography in the middle east conflict“.

What I present you here is a central line of argumentation for that project. However, so far I haven‘t done much empirical research to back the assumptions I‘ll make today. So all of this is still in a rather preliminary state and I‘ll of course be happy to hear critical comments and new ideas.

The title of my presentation is „old game new rules? Web 2.0 mapping in Israel/Palestine“

What old game am I talking about?

In the context of the Middle East Conflict, which is, at its core, a conflict about territory, maps have always been of highest political importance. The course of national borders, the selection and signature of certain places and even the language of textual map elements are political choices a cartographer makes during the creation of a map. Each of these elements contains codes, indicating whether a Palestinian or an Israeli landscape is represented on a map. The conflict has, unsurprisingly, a long and rich tradition of contested cartographies from various actors and perspectives. It started, I shall argue, with Zionist maps from the late 19th century onwards to help establishing a Jewish state. Drawing on a mythical semi-secular interpretation of the bible, early Zionists combined divine elements with a modern nationalist agenda. Thus, the land which god promised to his chosen people should serve as a territorial base for a modern secular Jewish state. To this end, a strong geographical imagination was constructed, portraying Palestine as an empty and uninhabited land waiting for its right masters to return home at last.

This slide shows a Zionist poster from the year 1947, made to convince European survivors of the holocaust to immigrate to Palestine instead of the US. On the left side of the poster a refugee stands frightened in front of the dark, grey, foggy and unfriendly skyline of, probably, New York City. On the right hand side, in contrast, he determinedly marches into a cartographic illustration of Palestine which shows the land colored, sunny, and empty. The text on the left side means ”He [the Jew] has already forgotten, and is going into a new exile! Jew, remember that every exile leads to destruction” while on the right side it says “Enough! I want to go home!”[1]

The portrayed image had been distilled in the famous Zionist phrase “A Land without a People for a People without a Land”.

Until today, both Israeli and Palestinian maps follow this rhetoric of ignoring and silencing the other. Be it in official Israeli maps that wiped away the green line, or maps of the Palestinian authority which do not name the state of Israel, nor any cities that have been founded there since Ottoman times.

By using these examples I do not intend to reduce the conflict to a question of territorial authority. Nor do I want to oversimplify Israeli or Palestinian nationalist movements. Indeed both nationalisms are contested and challenged from within “their own society” as much as from “the other side”. What I want to emphasize here is how sensitive the issue of mapping is in this context, because every attempt to map one side has worked at least partially to violate the right of existence of the other. Both nationalisms are in their territorial dimension absolutely incompatible, as the iconic ‘geobodies’ of Israel and Palestine illustrate (next slide).

Although mechanisms of exclusion can be found in every map in (or of) the world, the cartographic discourse in the context of Israel/Palestine is heavily challenged and contested – I think more than in most other places.

Due to high technological and educational access barriers to cartography, the conflictive tradition of maps between Palestinians and Israelis has long been dominated by relatively established and institutionalized actors. This can be said about the early Zionist organizations, and of course the state of Israel. As far as I know, a nationalist Palestinian cartography had not been established until the 1970s…

…when the organizations Fatah and PLFP[3] created first counter-maps in the aftermath of the October War 1967. This poster was made by the Fatah in 1978, showing a map of whole Palestine in Arabic which ignores Israel or any Jewish presence completely.

Summing up, what characterizes the old game of maps in the Middle East conflict is

  • Maps in this context are highly political
  • There has been a long and rich tradition of contested cartographies
  • And, most important for what follows: mapmaking has long been dominated by relatively established and institutionalized actors

In what follows now I argue that this old game is recently being played by new rules, as cartography is being transformed in the internet. This affects foremost the constellations of involved actors in cartography.

The term web 2.0 refers to developments of the internet since around 2000. Generally spoken, it describes a growing degree of interactivity due to new opportunities for users to create or modify contents of the web themselves, instead of just receiving, or consuming them. Think of examples like Wikipedia or Facebook, where all contents are user generated via crowdsourcing. Traditional distinctions between producers and consumers or professionals and amateurs often become fuzzy and contested in this environment. One prominent example for such a rearrangement of established structures is the realm of cartography. In recent years with the rise of online mapping platforms, mapping has been performed increasingly by non-professionals. Web 2.0-mapping is thus leading to a renegotiation of power relations and actor-networks in the realm of applied cartography.

In the following, I’ll show different types of web 2.0-maps to give an overview both, of the technological spectrum of web 2.0-maps and the contents of the maps, showing new ways to map the region or the conflict itself.

First example: map mashups

A mashup is a combination of data sets from external sources on one’s own website. To create a map mashup, you integrate a basemap into your website, which can be derived from several services (eg. GoogleMaps, BingMicrosoft or OpenStreetMap) and you layer data onto it, usually as dots. The only condition is that the data contains geotags, i.e. information on latitude and longitude. I give you two examples for map mashups of Israel/Palestine:

This silde shows a map from the website „Kan Garim“ (meaning “living here” in hebrew). Kan Garim is a webpage for the Israeli housing market. The yellow placemarks on the Google basemap symbolize available tenements in Israel. The subset shows Jerusalem and its surroundings. One can recognize from the course of the green line (dashed in grey), that the website offers rental properties on both sides of the internationally recognized border. Needless to say, the website is only in Hebrew language and is not designed for Palestinian dwelling seekers. I argue that this map potentially lowers emotional thresholds for Israeli citizens to become settlers in the West Bank. By doing so, it is a highly political map, created off-side the classical realms of cartography.

Here is a map mashup from the website of Zochrot, an Israeli activist organization which tries to raise attention for the Nakba in the Israeli public sphere. On a basemap from OpenStreetMap this map shows Arab villages that have been destroyed during or after the first Arab-Israeli war 1948/49. Thus, this map is a time-hybrid in a sense, displaying a current representation of Israel (the OSM-basemap) and confronting it radically with “the Palestinian others”, that the Israeli society has tried to swamp out for more than half a century. The destroyed and concealed proof that there never was a land without a people is suddenly back in the Israeli present.

Another type of web 2.0-maps are collaborative basemaps. The basemaps which map mashups employ can be created or modified by “the crowd”. In this case they have to cope with the complexity and ambivalence of mapping Israel/Palestine in specific ways. The most famous and, certainly most important, example for such an editable basemap is the project OpenStreetMap. In the OSM standard layout Mapnik, nametags appear in the official language of a state. Accordingly, places in Israel are spelled in Hebrew letters, and in the Palestinian territories in Arabic. However, there are exceptions from this pattern. This slide shows, once more, a subset of Jerusalem and its surroundings. We can see that the old city of Jerusalem has, indeed, an English label. Jewish settlements in the West Bank are named in Hebrew, just as Arab villages in Israel. Thus, with regard to place-names, OSM seems to acknowledge Jewish settlements as part of Israel (in fact OSM is not a Zionist propaganda organization and the matter more complex, we could discuss this later if you like. But still, this is the map you get and it supports the Israeli narrative in the described sense).

The concept of crowdsourcing can be applied to map mashups as well, resulting in, what is called, a crowdmap. The Palestine Crisis Map is such a crowdmap. It tries to portray events of human right violations in Israel/Palestine. The dots on the map represent such events, which are geo-located and associated with the categories on the right side. By zooming into the map, the big dots become disaggregated, until, on a local level, each dot represents only one event. Thus, the numbers in the big dots stand for the respective amount of aggregated events. The green button „submit a report“ in the upper right corner is an invitation to help feeding content to the map. Thus, by harvesting the crowd, the map tries to fulfill a journalist function: to tell what is happening on the ground and to visualize the spatiality of the conflict in a very specific way.

My last example for web 2.0 cartography are web-GIS-platforms

Web-GIS platforms provide the widest range of options to create or modify maps on the internet. Here one can generate map mashups without any coding skills, but also much more than that. Spatial data sets can be created, combinedly edited, processed and visualized in manifold ways on these platforms, which guarantee the functionality of a simple but straightforward integrated GIS software package. There are several of these platforms on the web and their “agenda“ is neatly summarized on the page of MapBox: „make beautiful maps, share them anywhere“. Some central ‘spirits’ of the web-2.0 are addressed: cloud computing, crowdsourcing and sharing. The user seems to become the master of the map. She is now able to personalize it, design it and spread it among an infinite audience: the crowd. A discussion of the user’s copyrights would probably draw a different light on most Web-GIS platforms, but, for the sake of the argument, we can admit that a “lay cartographer” is indeed equipped with powerful mapping tools to an unprecedented extent here. It lowers barriers to entry especially for thematic mappings, as my last example illustrates:

This map was made by a guy called Steven Feldman, a user of the platform geocommons, which is one of the most popular web-GIS at the time. It is a thematical map of the Gaza war 2008/2009. It combines data from several sources, showing Refugee Camps in the Gaza strip, rocket attacks on Israel and air strikes on the Gaza strip during the war. I guess, neither the Israeli government, nor the Hamas would have published such a map, since it shows not only the massive bombings of civilian areas by the Israeli Air Force, but also the military ineffectiveness of Palestinian rocket attacks.

What can we deduce from the developments drafted above from a critical cartographic perspective?

First of all, there can be no doubt that in the last years substantial developments have been taken place regarding patterns of map production.

Web 2.0 cartography emerges at the intersection of the internet, digital cartography and a rising amount of geospatial data. The combination of these factors enable new cartographic techniques like map mashups, editable basemaps, crowdmaps and web-GIS platforms.

New actors have entered the arena of cartography which has long been dominated by elites of academics, state agencies and big publishing houses. Enterprises like Google or Yahoo have discovered a new commercial interest in geospatial data and services, but there is also a diverse range of grassroot actors, political activists, web programmers and hackers generating maps. They all bring new impulses and ideas into the field, using the new techniques to produce new maps with regard to contents as well, like the residential market map or the Palestine Crisis map have shown.

Similar to the debate about the web 2.0 in general the discussions around web 2.0-cartography often have a subtext of democratization and empowerment. The fact that more people can participate in the creation of maps and geo-referenced data, has been interpreted by some commentators as a democratization of cartography. Such euphoria is certainly unfounded and naïve, for at least two reasons: firstly, it completely ignores the digital divide. A broadband internet connection, a powerful computer and sufficient energy supply are still requirements that most people in the world lack, Palestine not being an exception. Not to speak of IT skills, language barriers or spare time to spend on creating maps. Secondly, collaborative mapping platforms are not free of power-relations, hierarchies, norms of behavior and sanction systems to enforce them. Rating mechanisms, as we know them from social networks, enable a stratification of users in categories of trustworthiness. Beginners are supervised by moderators. And there is always an inner sanctum of webmasters with a right of censorship and the possibility to expel users without a trial. We cannot speak of democratic communities here, and what we witness is not democratization but rather a restructuring of cartography. There are winners and losers. New voices might be articulated, but they surely produce new marginalized others.

This diagnosis can be applied to Palestine/Israel as well as to any other region of the world. However, maps in this context have a special sensitivity, because they are so mired in conflictive territorial identities and are, thus, more contested than in most other cases. If we acknowledge this distinctiveness, the region might serve as an interesting case study. Mechanisms of inclusion and exclusion, struggles and conflicts within the current restructuring of cartography should take place more obviously and be easier to trace than elsewhere. We should be able find out who speaks to us through the maps and whose voices are silenced.

I want to finish this paper with another point I’d like to debate. It is a slightly optimistic idea of how to employ the new mapping technologies for something good: maps in the Middle East Conflict traditionally served as tools of exclusion. From a pacifist, consensus seeking perspective they generally made things worse instead of better. Maybe new mapping technologies can turn the tide here. I’m thinking for example of maps, where features can be subject to debates, can be switched on and off, or are symbolized in blurred, fuzzy or transparent styles. Such maps might bring the possibility to map in conjunctives. I think it might be possible to use them to show the ambiguity of territorial borders, their subjectivity, contextuality and contingency. Thus, new maps could be used as educational tools to foster a long term de-escalation of the conflict. They could allow multiple narratives with equal legitimacy and change the discourses of strict territorial identities a little bit and strengthen out of the box thinking beyond a solution of two states with strict territorial integrity.


[1] In fact, the text is in Yiddish, spelled in Hebrew letters: Er hat shoyn fargesn | Un geyt in a nayem | goles! | Gedenk, Yid, yeder | Goles firt zum | Untergang (left side). Shoyn genug! | Ikh will a heym!

Veröffentlicht unter Uncategorized | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , | 1 Kommentar

Erlangen mal anders – alternative Karten von Studierenden

Im vergangenen Wintersemester (2011/12 ) haben Tim Elrick und ich gemeinsam das „Methodenseminar Geovisualisierung“ bei uns am Institut für Geographie der Universität Erlangen-Nürnberg angeboten. Inhaltlich könnte man den Kurs als „Einführung in eine reflektierte angewandte Kartographie“ zusammenfassen.

Wir versuchten den TeilnehmerInnen des Seminars zu vermitteln, wie man selbstständig Geodaten zu unterschiedlichen Thematiken erheben und kartographisch darstellen kann. Von der Wahl der angemessenen Erhebungsmethode (z.B. digitale vs. analoge Feldkartierung), der Digitalisierung und Verarbeitung georeferenzierter Daten bis hin zum kartographischen Design und der Einbettung in einen Kontext haben wir sozusagen die „Produktionskette“ von Karten anhand verschiedener Beispiele nachvollzogen.

Neben diesen „technischen“ Aspekten der Geovisualisierung haben wir auch einen inhaltlichen Schwerpunkt auf den kritischen Umgang mit Geodaten und Karten im Besonderen gelegt. Das didaktische Konzept der Lehrveranstaltung bestand also darin, den Studierenden über einen praktischen Zugang ein Bewusstsein für die Gemachtheit und damit auch die Hinterfragbarkeit von Karten zu erzeugen.

Als Abschlussarbeit haben die Studierenden Poster mit eigenen Karten zu selbstgewählten Themen angefertigt, die anschließend im Institut ausgestellt wurden. Für alle, die diese Knüller-Ausstellung verpasst haben sollten habe ich hier nochmal die Poster zusammengestellt (auf die Bilder klicken für eine vergrößerte Ansicht):

________________________________________________________________

Coffe-To-Go-Angebote
von Gustav Lieberknecht, Franziska Reutter und Claire Schulze

Eine ebenso originelle wie umfassende Auseinandersetzung mit der Kaffee-Versorgungslage in der Umgebung universitärer Einrichtungen.

________________________________________________________________

Potentielle Arbeitgeber für GeographInnen in Erlangen
von Lilli Dockter und Sabrina Hild

Eine Karte als Antwort auf die fiese Frage, was man denn mit Geographie später mal machen könne…

________________________________________________________________

Fairlangen – fair einkaufen in Erlangen
von Kartin Schatz, Eva Maidhof und Pascal Krafft

Eine Kartierung des erlanger Fairtrade-Angebotes.

________________________________________________________________

Kunst im öffentlichen Raum Erlangen
von Johanna Danigel, Stefan Karig und Martin Weidmann

Eine Karte frei zugänglicher Kunstobjekte

________________________________________________________________

We Love Streetart
von Andi Eckert und Patrick Cervenka

Das Poster zum Crowdmap-Projekt StreetArt Erlangen

________________________________________________________________

Erlangen – eine raucherfreundliche Stadt?
von Felix Neubaur und Marius Neuner

Die Stadt aus der Perspektive eines Rauchers

________________________________________________________________

Öffentliche Entsorgungseinrichtungen in der erlanger Innenstadt
von Jan Gemeinholzer, Stella Schäfer und Fabian Schwartz

Eine Untersuchung der räumlichen Verteilung von Entsorgungsmöglichkeiten für Abfälle

________________________________________________________________

Studentische Wege in Erlangen
von Ann-Sofie Beuerle, Lisa Hirt und Nina Helmschrott

Eine explorativer Vergleich räumlicher Bewegungsmuster von Studierenden verschiedener Fachbereiche.

Veröffentlicht unter Deutsche Beiträge | Verschlagwortet mit , , , , , , | 1 Kommentar

Deutsche Leitkultur in amtlicher topographischer Karte?

Im Rahmen der Überarbeitung unserer Kartographie-Vorlesung blieb es nicht aus, dass ich mich intensiver mit einem der rezenten Hauptwerke deutscher Kartographie auseinandergesetzt habe: der amtlichen Topographischen Karte (TK).

Dort finden sich allerlei Symbole für religiöse Orte. In der bayerischen Fassung der Legende der Topographischen Karte 1 : 25.000 (TK25) finden sich derer vier (siehe unten), in Schleswig-Holstein, das in Sachen Religiosität den Bayern – in der öffentlichen Wahrnehmung auf jeden Fall – nichts vormachen kann, sind es sogar fünf verschiedene Signaturen.

Quelle: LVGB 2006: TK25 (Bayern)

Nun mag man sich fragen, ob religiöse Orte in topographischen Karten, die ja vornehmlich zur Darstellung von „Bebauungsstrukturen, Landnutzung und Geländeformen“ (BKG 2011) dienen, überhaupt eingezeichnet werden sollten. TKs dienen aber auch, und vor allem der Orientierung – dazu sind auffällige Gebäude sicher nicht falsch.

Fragt sich nur, weshalb dann aber nur christliche Orte, also Kirchen und Kapellen – mit oder ohne zwei Türmen – vertreten sind und nicht auch Synagogen und Moscheen? Zumindest die letzteren haben ja auch Türme und sollten daher gut sichtbar sein – auch wenn diese Türme „natürlich“ deutlich kleiner sind, ja sein müssen, als die christlichen; aber das ist eine andere Geschichte

Das dem tatsächlich so ist, soll ein Beispiel aus Augsburg illustrieren: die Synagoge in der Halderstraße, die auf GoogleMaps eingezeichnet ist, gibt es auf der amtlichen Karte nicht (roter Kringel unten):

Geobasisdaten Ausgabe 1989: © Bayerische Vermessungsverwaltung (www.geodaten.bayern.de)

Das Luftbild bei GoogleMaps in der Schrägansicht zeigt die 1917 errichtetete „vielleicht bedeutendste Jugendstilsynagoge Europas“ (roter Kringel unten; Quelle: Stadt Augsburg) sowie die in der topographischen Karte verzeichnete St. Anna Kirche (roter Kringel oben) in ihrer Gestalt aus dem Jahr 1749 (Quelle: Stadt Augsburg):

entnommen GoogleMaps am 2012-05-30

Ginge es nur um für die Orientierung notwendige „Landmarken“ müßte die Augsburger Synagoge eigentlich in der topographischen Karte eingezeichnet sein (um für die zweite große Religion neben dem Christentum in Deutschland zu sprechen: für die Mannheimer Yavuz Sultan Selim Moschee gilt das eben Gesagte, siehe Glasze 2009: 185).

Dass diese Nicht-Markierung kein historisches Phänomen alter topographischer Karten ist (der obige Ausschnitt stammt immerhin aus dem Jahr 1989), zeigt folgendes Beispiel aus der TK 25 aus Nürnberg aus dem Jahr 2010. St. Peter’s Kirche und Kapelle sind verzeichnet, die benachbarte Synagoge nicht (jedoch ein Werbeturm eines Einkaufszentrums).

Geobasisdaten vom 2010-12-13: © Bayerische Vermessungsverwaltung (www.geodaten.bayern.de)

Kritische Geister könnten nun vermuten, dass es wohl nicht so weit her sei mit der Aussage unseres Ex-Bundespräsidenten Wulff in seiner Rede zur Deutschen Einheit 2010, und dass in den Landesvermessungsämtern immer noch die Idee einer deutschen Leitkultur vorherrsche, als christlich-abendländisch historisierende Kulturdominanz.

Aber vielleicht tun wir den Geodäten und Kartographen in den Amtsstuben ja auch unrecht: Sie setzen ja nur die Normen und Konventionen um, die für topographische Karten gelten. Schließlich fehlen auf den TKs auch Spielplätze, Altenheime oder Obdachlosenunterkünfte (nicht jedoch Schwimmbäder, Denkmäler [fragt sich wieder, welche?] und Gewächshäuser).

Aber: topographische Karten sind auch nur eine Sonderform thematischer Karten. Als solche stellen sie natürlich immer nur eine Auswahl und Betonung einiger Phänomene unserer Welt dar. Und diese Selektion und Betonung wurde von jemandem aktiv getroffen.

Vielleicht setzt sich die Erkenntnis Wulffs ja auch irgendwann einmal in topographischen Karten durch…

Quellen:
Bundesamt für Kartographie und Geodäsie (BKG) 2011: Digitale Topographische Karten. Online abrufbar unter http://www.bkg.bund.de/SharedDocs/Download/DE-BroschFlyer/AdV-Digitale-Topographische-Karten,templateId=raw,property=publicationFile.pdf/AdV-Digitale-Topographische-Karten.pdf
Glasze, Georg 2009: Kritische Kartographie. In: Geographische Zeitschrift 97(4):181–191.
Landesamt für Vermessung und Geoinformation Bayern (LVGB) 2006: Topographische Karte 1:25.000. München.
Veröffentlicht unter Deutsche Beiträge | Verschlagwortet mit , , , , | 1 Kommentar

Drogendealer kartieren

Es ist ja kein Geheimnis, dass OpenStreetMap ziemlich zuverlässig Supermärkte anzeigt. Interessant ist aber, dass eben nicht nur Supermärkte, sondern auch alternative Einkaufsmöglichkeiten kartiert werden, so auch die Drogendealer im Görlitzer Park:

Drogendealer-Supermarkt

Bisher ist es wohl auch der einzige Ort auf der OSM-Karte von Berlin, der eine Bezugsquelle für bewusstseinserweiternde Substanzen anzeigt. Weder die Hasenheide, noch die auf harte Drogen spezialisierten Anlaufpunkte entlang der U8 — vom Kotti bis zum Rosenthaler Platz sind da aufgeführt.

Vor allem, dass der Standort Hasenheide nicht prominent gefeatured wird, ist interessant. Vor ein paar Jahren war die Situation ja noch ganz anders: der Hasch-Discounter war in erster Linie die Hasenheide, und zwar so sehr, dass mit dem Gedanken gespielt wurde, den Park einzuzäunen oder — als Gegenentwurf des damaligen grünen Innensenators — Coffee Shops einzurichten. Nachdem aber die Revierkämpfe zwischen schwarzafrikanischen und arabischen Dealern eskalierten, nahmen Polizeirazzien zu, so dass der Görlitzer Park für Marijuana-Dealer an Attraktivität gewann. Rund rund um die Hasenheide werden währenddessen harte Drogen mehr und mehr zum Problem. Szenekenner mögen mich da berichtigen.

Der anonyme Kartierer der Drogendealer am Görli mag das im Hinterkopf gehabt haben, vielleicht auch nicht; mag sein, dass das Görlitzer Dealer-Syndikat sich so einen Standortvorteil verschaffen wollte (immerhin das einzige Ergebnis nach einer Suche „drogendealer berlin“; Google Maps bietet da mehr) — denn die Konflikte zwischen Dealern und Anwohnern häufen sich, auch durch den Zuzug solventer Mieter in den Wrangelkiez. Der nächste Polizeieinsatz wird nicht lange auf sich warten lassen.

Für Freunde der Kriminalstatistik noch ein Hinweis: der Blaulichtatlas bietet einen schönen ersten Überblick über räumliche Dynamiken von Polizeieinsätzen in Berlin.

Veröffentlicht unter Uncategorized | Verschlagwortet mit , | 1 Kommentar

Google Earth eine reale Darstellung des Planeten? Mitnichten!

von Christian Bittner

Auf den ersten Blick erscheint Google Earth wie eine reale Darstellung der Erde. Flächendeckende fotorealistische Darstellungen der Erdoberfläche lassen den Anschein entstehen, man flöge tatsächlich über die Städte und Landschaften der Welt.

Tatsächlich handelt es sich hier um ein gigantisches Mosaik aus Luft- und Satellitenbildern, die zu verschiedenen Zeitpunkten (also unterschiedlichen Jahren, Jahres- und Tageszeiten) und mit unterschiedlich hoher Auflösung aufgenommen wurden. Die komplexen technischen Verfahren, die hierbei zum Einsatz kommen, sind mitunter nicht immer zuverlässig, was zu teilweise kuriosen und spektakulären Fehldarstellungen führt (hier eine Zusammenstellung).

Jenseits von technischen Fehlern unterliegt das, was auf Google Earth (un)sichtbar ist, aber auch politischen und kommerziellen Interessen. So ist die Zensur von Satellitenbildern, insbesondere von militärischen Anlagen, übliche Praxis (mehr dazu hier und hier).

Nicht zuletzt ist Google ein kommerzielles Unternehmen. Das Verfügbarmachen von Bildern in hoher Auflösung stellt für Google eine Investition dar, die sich insbesondere dort auszahlt, wo kaufkräftige kommerzielle Nutzer ein Interesse an der gewerblichen Nutzung der Bilder haben. Oder dort, wo kaufkräftige private Nutzer durch Ihre virtuellen Ausflüge in Google Earth verwertbare Datenspuren hinterlassen. Diese Nutzer finden sich hauptsächlich in den reicheren Ländern der Welt, weswegen die Abdeckung mit hochaufgelösten Bildern in der Summe dem  globalen Wohlstandsgefälle folgt (als umfassende Lektüre zu politischen und kommerziellen Mechanismen hinter Google-Produkten empfehle ich wärmstens das Buch „Google and the Digital Divide“ von Elad Segev).

An vielen Stellen verlaufen Abstufungen in der Darstellung zu verschiedenen Zeitpunkten in Google Earth tatsächlich entlang politischer Grenzen. Diese, von Menschen erfundenen Aufteilungen der Welt erhalten somit auf gruselige Art und Weise eine neue fotorealistische Authentizität. Dazu drei Beispiele:

  1. Die Grenze zwischen Mexiko und den USA bei Tijuana (Bilder vom 26.06.2008):

Zu beiden Seiten der Grenze erhält man in der Standardansicht Bilder aus verschiedenen Jahreszeiten. Die US-Seite wirkt somit wie ein grüner Garten Eden, verglichen mit dem trocken-braunen Mexiko.

2. Die polnisch-deutsche Grenze nördlich von Słubice/Frankfurt (Oder) (Bilder vom 31.12.2010):

die deutsche Seite ist in deutlich höherer Auflösung dargestellt. Jenseits der Grenze beginnt das polnische Schattenreich…

3. Die Grenze zwischen Ungarn und Österreich bei Jennersdorf (Bilder vom 07.02.2008):

auch Österreich hat mysteriöse Nachbarn im Osten…

Veröffentlicht unter Deutsche Beiträge | Verschlagwortet mit , | Kommentar hinterlassen