Google Earth eine reale Darstellung des Planeten? Mitnichten!

von Christian Bittner

Auf den ersten Blick erscheint Google Earth wie eine reale Darstellung der Erde. Flächendeckende fotorealistische Darstellungen der Erdoberfläche lassen den Anschein entstehen, man flöge tatsächlich über die Städte und Landschaften der Welt.

Tatsächlich handelt es sich hier um ein gigantisches Mosaik aus Luft- und Satellitenbildern, die zu verschiedenen Zeitpunkten (also unterschiedlichen Jahren, Jahres- und Tageszeiten) und mit unterschiedlich hoher Auflösung aufgenommen wurden. Die komplexen technischen Verfahren, die hierbei zum Einsatz kommen, sind mitunter nicht immer zuverlässig, was zu teilweise kuriosen und spektakulären Fehldarstellungen führt (hier eine Zusammenstellung).

Jenseits von technischen Fehlern unterliegt das, was auf Google Earth (un)sichtbar ist, aber auch politischen und kommerziellen Interessen. So ist die Zensur von Satellitenbildern, insbesondere von militärischen Anlagen, übliche Praxis (mehr dazu hier und hier).

Nicht zuletzt ist Google ein kommerzielles Unternehmen. Das Verfügbarmachen von Bildern in hoher Auflösung stellt für Google eine Investition dar, die sich insbesondere dort auszahlt, wo kaufkräftige kommerzielle Nutzer ein Interesse an der gewerblichen Nutzung der Bilder haben. Oder dort, wo kaufkräftige private Nutzer durch Ihre virtuellen Ausflüge in Google Earth verwertbare Datenspuren hinterlassen. Diese Nutzer finden sich hauptsächlich in den reicheren Ländern der Welt, weswegen die Abdeckung mit hochaufgelösten Bildern in der Summe dem  globalen Wohlstandsgefälle folgt (als umfassende Lektüre zu politischen und kommerziellen Mechanismen hinter Google-Produkten empfehle ich wärmstens das Buch „Google and the Digital Divide“ von Elad Segev).

An vielen Stellen verlaufen Abstufungen in der Darstellung zu verschiedenen Zeitpunkten in Google Earth tatsächlich entlang politischer Grenzen. Diese, von Menschen erfundenen Aufteilungen der Welt erhalten somit auf gruselige Art und Weise eine neue fotorealistische Authentizität. Dazu drei Beispiele:

  1. Die Grenze zwischen Mexiko und den USA bei Tijuana (Bilder vom 26.06.2008):

Zu beiden Seiten der Grenze erhält man in der Standardansicht Bilder aus verschiedenen Jahreszeiten. Die US-Seite wirkt somit wie ein grüner Garten Eden, verglichen mit dem trocken-braunen Mexiko.

2. Die polnisch-deutsche Grenze nördlich von Słubice/Frankfurt (Oder) (Bilder vom 31.12.2010):

die deutsche Seite ist in deutlich höherer Auflösung dargestellt. Jenseits der Grenze beginnt das polnische Schattenreich…

3. Die Grenze zwischen Ungarn und Österreich bei Jennersdorf (Bilder vom 07.02.2008):

auch Österreich hat mysteriöse Nachbarn im Osten…

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Über Christian Bittner

I'm a PhD Candidate at the institute of Geography, University of Erlangen-Nuremberg, Germany. The subject of my thesis is "Web 2.0 mapping in Israel/Palestine", which is at the intersection of my research interests: Political Geography, Critical Cartography, GIS and the Geoweb. You'll find my 'official' academic profile here
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